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Urlaubstipp: Osteuropa

Die Geschichte Osteuropas


Der vorliegende Aufsatz von Manfred Hildermeier, deutscher Historiker und Professor für Osteuropäische Geschichte an der Georg-August-Universität Göttingen, entstammt einer Auswahl von verschiedenen Aufsätzen aus "Übung zur Vorlesung". In diesem Beitrag beschäftigt sich Manfred Hildermeier mit Osteuropa als Gegenstand vergleichender Geschichte und verdeutlicht die Wichtigkeit einer transnationalen Sichtweise in der historischen Forschung. Er lenkt dabei den Blick auf Osteuropa und untermauert seine Thesen mit Beispielen aus Russland oder Osteuropa. Sicher ist es aufgrund der Internationalisierung der Geschichtswissenschaft immer wichtiger geworden, transnationale und globale Zusammenhänge zu erfassen. Aus diesem Grund beschäftigen sich auch Wissenschaftler schon seit Jahren mit verschiedenen Methoden und Ansätzen um die Geschichte verschiedener Räume zu erfassen und um möglichst präzise Ergebnisse zu erzielen, die frei von persönlichen Wertungen der Zeitgenossen sind. Hildermeier legt eine besondere Bedeutung auf den analytischen Ansatz des Vergleichs zwischen westlichen und östlichen Ländern und stellt eine Methode vor, wie unter Berücksichtigung von Transferprozessen, Beziehungen und Verflechtungen einzelner Räume miteinander verglichen werden können. Es soll so soll erreicht werden, dass gesamteuropäische und globale Zusammenhänge verdeutlicht werden können. Hildermeier ist der Meinung dass, man Räume vergleichen muss, damit man aufgrund der Gleichheit oder Andersartigkeit eine Zugehörigkeit bzw. auch eine nicht Zugehörigkeit zu einer Gruppe oder Nation verstehen kann. Es scheint auch, dass immer mehr Historiker verschiedene Methoden von Vergleichen anwenden, z. B. Max Weber stellt in seinem Buch "Die okzidentale Stadt" zahlreiche vergleichende Analysen über Städte im Mittelalter auf, um Entwicklungen von Land und Stadtbevölkerung analysieren zu können. Die Frage ist nun, was ein historischer Vergleich bringt, was eine einzelne Studie nicht erfüllen kann? Der Historiker Kaelble sagt dazu in seinem Buch "Der historische Vergleich", dass der Vergleich das analytische Instrumentarium des historischen Verstehens und Erklärens schärft und dass die Stärken des Vergleichs die präzisere Erfassung historischer Ursachen, die Erschließung der Vielfalt und Widersprüchlichkeit historischer Prozesse und die Erleichterung des Zugangs zu fremden Gesellschaften sind. Das leuchtet im Grunde genommen ein, wenn man bedenkt, dass frühere Analysen auch oftmals aufgrund von Wertungen erfolgt sind, wie dieses auch Hildermeier in seinem Aufsatz anhand eines Beispiels mit dem Compt de Ségur erklärt. Dieser reiste im Jahre 1782 nach St. Petersburg und hatte bereits in Polen schon den Eindruck, dass er Europa verlassen würde. Aus solchen Beispielen kann man entnehmen, dass man damals im eigenen Kulturraum eine Norm festgelegt hatte, die als Ideal angesehen wurde, auch wenn diese Idealform im eigenen Raum nicht oder nicht vollständig vorhanden war, sondern nur als Wunschbild des Kulturraumes existierte. Trotzdem wurde das Fehlen dieser festgesetzten Idealnorm beim östlichen Nachbarn als ein eklatanter Mangel verurteilt. Als Ideal wurde z. B. ein selbstbewußtes Bürgertum, Gesetze ohne Willkür, Wohlstand, Bildung, Wissen und geistige Kultur angesehen. Aufgrund dieses Defizits des Ostens wurde dieser als barbarisch oder rückständig und als nicht zur aufgestellten Norm passend betrachtet. Das Wunschbild diente dem eigenen Land dazu, die eigene Identität in Abgrenzung zu etwas anderem zu konstruieren, es wurde aber kein direkter Vergleich geschaffen. Es ging vorwiegend um eine Weltanschauung, die man damals hatte, also die Art und Weise wie man die Welt selbst gesehen hat All dieses war notwendig um eine eigene Identität zu konstruieren. Hildermeier sagt auch, dass auch die Aufklärung keine gravierenden Änderungen brachte, da auch dort Osteuropa als zu weit entfernt vom kulturellen Zentrum angesehen wurde. Als Beispiel führt Hildermeier an, dass bereits in der Römerzeit das Fremde und Andersartige als barbarisch bezeichnet wurde. Auch in der Neuzeit gibt es zahlreiche Beispiele dafür, dass Normen genutzt wurden, um sich selbst als Gruppe zu identifizieren und um andersartige Gruppen vom eigenen Kulturraum abzugrenzen. Im 18./19. Jahrhundert sahen sich z. B. die Industrienationen im Vergleich zur kolonialen Welt als höherstehend an und ähnlich war es auch mit Osteuropa, welches mit einer Herablassung betrachtet wurde. Dieses kann man aus Reiseberichten und Logbüchern von Expeditionen und Entdeckungsreisen aus dem 18./19.Jahrhundert erkennen, die belegen, wie in der damaligen Zeit Osteuropa wahrgenommen wurde. Hildermeier ist sicher im Recht, zu behaupten, dass eine Beurteilung aufgrund von individuellen Wertungen durch Gesellschaften oder Völker auch Gefahren mit sich bringt, jedoch ist die Frage, ob ein Vergleich wirklich die "Wunderwaffe" sein kann, um präzise Ergebnisse zu erzielen. Wenn man bedenkt, dass ein Historiker, der nun Jahrhunderte später auf die Geschichte zurückblickt, trotz den neutraleren Blick von oben, den der Historker haben mag, wie kann er aber eine Gesellschaft beurteilen, deren Nachkommen schon lange tot sind und er sich nun mit den Überlieferungen und Überresten dieser Gesellschaft auseinandersetzen muss. In Osteuropa kommt erschwerend hinzu, dass es zahlreiche Völker gab, die für uns fremdartige und dazu noch verschiedenen Sprachen gesprochen haben und deren unterschiedliche Wortbedeutung nicht immer eindeutig geklärt werden können. Des weiteren, wie kann nun ein Historiker wissen, ob nicht auch bereits die Quellen mit denen er seinen Vergleich anstellt, nicht schon einen gewissen Grad an Wertungen beinhalten und dass der Vergleich damit schon mit verfälschten Daten begonnen wird. Sicher ist zu überlegen, ob ein Vergleich immer sinnvoll ist. Auch der Historiker Kaeble weißt in seinem Buch auf die Probleme des historischen Vergleichs hin und sagt auch: "viele historische Fragestellungen kommen ohne ihn aus." Kaeble weist auch des weiteren auf die Gefahren eines Vergleichs hin, da ungleichartige Quellen oft die Ergebnisse verzerren. Daher sollte man bei der Analyse klären, "ob nicht die Unterschiede, die man zwischen den vergleichenden Gesellschaften gefunden hat, etwas mit den unterschiedlichen Quellen zu tun haben." (S.150) Um nun dem Wertungsdilemma entfliehen zu können, fordert nun Hildermeier eine Binnendifferenzierung Osteuropas, dadurch könnten neue Erkenntnisse gewonnen werden und es könnten Randgebiete und Übergangsräume geschaffen werden, die auch Verflechtungen und Zusammenhänge der Räume untereinander berücksichtigen. Dazu zeigt er auf, wie er methodisch vorgehen möchte und führt den Begriff der Kontakt- und Verflechtungsgeschichte ein. Des weiteren spricht er von geteilter Geschichte und legt dar, wie sich bestimmte Räume austauschen bzw. wie diese zusammenhängen. Dafür präsentiert er einige nachvollziehbare Pro-Argumente für eine Trennung zwischen Osteuropa und Ostmitteleuropa und stellt diesen dann Gegenargumente gegenüber. Als Pro-Argumente für eine Trennung nennte er die ethnologische Vielschichtigkeit wie verschiedene Sprachen, Konfessionen wie z. B. das Christentum im Westen, das Heidentum und die byzantinisch-orthodoxe Religion im Osten, die unterschiedlichen rechtsstaatlichen Prinzipien und Stadtverfassungen usw. Als Argument für eine zusammenhängende Großregion von Osteuropa nennt er dann die Agrarverfassung, die in diesen Gebieten ähnlich war, die zunehmenden Adels- und abnehmenden Bauernrechte, die vorherrschenden völlige Abhängigkeit und juristische Unfreiheit. Dazu kommt noch die geringe Bedeutung der Städte, die späte industrielle Entwicklung, kein vorhandenes Bürgertum, die slawische Sprache, die ganz anders war als die romanische Sprache, das Vorhandensein vieler verschiedener Völker, wenig Durchsetzungskraft und geringe Gegenwehr der Schichten und die starke Abhängigkeit der Bauern zu den Grundherren. Hildermeier zeigt nun histographische Methoden auf, wie man arbeiten kann, wenn man solche Räume kategorisieren möchte, sagt aber im gleichen Abschnitt, dass dieses ein problematisches Unterfangen ist, da es bereits Schwierigkeiten bei der Abgrenzung von Epochen gibt. Anfang und Ende von historischen Räumen können sich im Verlauf einer Epoche wandeln, da dieses vom Blickwinkel abhängig ist, aus dem die Geschichte betrachtet wird. Es sollten seiner Meinung nach eher die Formen des Kontakts und der Beeinflussung analysiert werden, anstatt Grenzen von einem Raum zum anderen aufgrund einer Weltanschauung zu setzen. Des weitern sollten auch Vergleiche zur Problemlösung herangezogen werden. Mittels dieser Methode könnte dann neutraler, globaler und vergleichender beurteilt werden. Nicht Merkmale der Einzigartigkeit, sondern Merkmale wie man sich innerhalb einer Verbindung unterscheidet, sollten vorrangig analysiert werden. Man sollte auch die Verflechtungen von verschiedenen Räume betrachten, denn diese können eine grosse Auswirkung auf historische Räume haben. Als Beispiel wird hier die positive Wirkung der Verflechtungen auf den rückständigen Staat Russland dargelegt. Rückständigen Staaten können bereits gemachte Erfahrungen und Entwicklungen von weiter fortgeschrittenen fremden Regionen übernehmen und sparen somit Zeit und Energie, da sie die einzelnen Entwicklungsstufen nicht erneut durchlaufen müssen. Der Vergleich und der Transfer, sagt Hildermeier, sind aber voneinander zu trennen, weil sie sich auf verschiedenen Ebenen bewegen. Der Vergleich ist eine "künstliche Verstandesoperation" und eher abstrakt, wobei der Transfer ein realhistorischer Vorgang ist, der wiederum abstrakt und konkret ist. Mit einem Vergleich kann man auch Räume miteinander vergleichen, die aber realhistorisch gar keine Verbindung haben. Verwirrend ist etwas, da er dann einen Absatz später behauptet, dass der Vergleich zur Vorraussetzung der Analyse von Kontakt, Transfer und Verflechtung wird. Da er davor von einem Vergleich spricht, den der Historiker durchführt und davon, dass der Transfer das ist, was auf der realen historischen Ebenen passiert klingt dieses wie ein Widerspruch sich. Also, einerseits möchte er, dass man klar zwischen dem Vergleich als wissenschaftlicher Begriff und dem Transfer unterscheidet, und dann sagt er, dass es vor dem Transfer erst einen Vergleich geben muss. Hildermeier hat im ersten Teil seines Beitrags versucht, Ostmitteleuropa zu orten und hat uns mit seinen einleuchtenden Pro und Kontra Argumente aufgezeigt, wie man einen solchen Raum konstruieren kann. Im letzten Teil seines Beitrags gibt er nun 7 Punkte und als 8. Punkt ein Fazit an, mit denen er am Beispiel von Russland im späten 18./19. Jahrhundert einige Grundformen einer geteilten Geschichte auflistet. Dazu stellt er ein Raster vor, mit dem die Entwicklung der Schwellenländer analysieren werden kann. Man muss sich nun hier überlegen, was dieses Raster, welches er vorstellt, nun mit den Pro- und Kontrapunkten zu tun hat, die er davor aufgezählt hat, sonst kann man den Sinn hinter seinem Vorgehen nicht verstehen. Nun muss man sich diese einzelnen vorgestellten Grundformen ansehen und versuchen nachzuvollziehen, wo Hildermeier diese Grundformen in seinem Vergleich mit der Ostmitteleuropäischen Geschichte wiedergefunden hat. Er erläutert nun, dass mit der Rezeption, die Assimilation und die Absorption ein Transfer von einem Gebiet in ein anderes erfolgt. Interessant ist dabei nachzuvollziehen, wie sich diese verschiedenen Transfers speziell auf ein Land auswirken.

Copyright: Christa Kornreiter zum Thema: "Osteuropa als Gegenstand vergleichender Geschichte" von Manfred Hildermeier

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